Das Währungspaar EUR/USD setzte seinen sehr schleppenden Handel am Dienstag fort und bewegte sich letztlich in einen Seitwärtskanal. Im 4‑Stunden‑Chart ist nun klar erkennbar, dass der Kurs in den vergangenen Wochen überwiegend zwischen 1,1450 und 1,1620 gehandelt wurde. Wir haben es also nicht nur mit einem Anschein eines Seitwärtsmarktes zu tun, sondern mit einem echten Flat. Allerdings handelt es sich um einen sehr seltenen Typ eines Flats, bei dem alle Bewegungen, die zu seiner Bildung geführt haben, tatsächlich durch konkrete Ereignisse ausgelöst wurden.
Normalerweise entsteht ein Flat nicht deshalb, weil jede nachfolgende Nachricht der vorherigen widerspricht und den Kurs zwingt, auf und ab zu springen. Ein Flat bildet sich, wenn der Markt eine Pause benötigt, um neue Positionen zu verteilen oder aufzubauen. Daher bewegt sich der Kurs seitwärts, und in dieser Zeit ignoriert der Markt fundamentale und makroökonomische Ereignisse entweder oder reagiert nur minimal darauf. Aktuell ist die Situation genau umgekehrt. Jedes neue geopolitische Ereignis widerspricht dem vorherigen und bringt den Kurs ins Schwanken. Das makroökonomische und fundamentale Umfeld wird vom Markt ignoriert.
Die entscheidende Frage lautet nun, ob das Währungspaar EUR/USD seinen „Boden“ bereits erreicht hat. Viele Experten sprechen von einem „Boden“ im Markt, räumen aber zugleich ein, dass das Paar weiter fallen könnte, falls sich die Lage im Nahen Osten verschärft. Der allgemeine Konsens im aktuellen Umfeld stellt sich wie folgt dar: Langfristig dürfte der Euro aufgrund der widersprüchlichen und zerstörerischen Politik von Trump steigen; kurzfristig könnte der Dollar angesichts der komplexen geopolitischen Gemengelage aufwerten; sollten sich die geopolitischen Rahmenbedingungen in naher Zukunft nicht grundlegend verändern, werden Seitwärtstrends anhalten.
Daher bleibt den Tradern nichts anderes übrig, als auf neue Entwicklungen im Nahen Osten zu warten. Offenbar werden sie nicht lange warten müssen. Erst gestern griff der Iran eine petrochemische Anlage in Jubail, Saudi-Arabien, an. In der kommenden Nacht könnte Donald Trump einen weiteren Luftschlag gegen den Iran anordnen, falls die Straße von Hormus nicht freigegeben wird. Interessanterweise haben in den vergangenen Tagen einige Schiffe die Straße von Hormus passiert, doch die Bedingungen der Vereinbarung mit Teheran sind unbekannt. Somit verbessert sich die Lage rund um Hormus offiziell, auch wenn eine vollständige Aufhebung der Blockade weiterhin nicht zur Debatte steht.
Darüber hinaus wurde berichtet, dass Teheran Washington eine Liste mit 10 Punkten übermittelt hat, die zur Beilegung sämtlicher Streitigkeiten erforderlich seien. Konkret fordert der Iran Sicherheitsgarantien, die Einstellung der Angriffe, Entschädigungen für zerstörte Infrastruktur sowie die vollständige Aufhebung der Sanktionen. Glaubt irgendjemand, dass Trump diese Bedingungen erfüllen wird? Zudem verlangt der Iran nun 2 Millionen US‑Dollar von jedem Tanker, der die Straße von Hormus passiert ... Aus unserer Sicht ist eine neue Welle der Eskalation im Nahen Osten unvermeidlich.

Die durchschnittliche Volatilität des Währungspaares EUR/USD in den letzten fünf Handelstagen zum 8. April beträgt 68 Pips, was als „durchschnittlich“ gilt. Wir erwarten, dass das Paar am Mittwoch in einer Spanne zwischen 1,1502 und 1,1638 gehandelt wird. Der obere Kanal der linearen Regression hat nach unten gedreht, was auf eine Trendwende hindeutet. Der CCI-Indikator ist in den überverkauften Bereich eingetreten und hat eine „bullische“ Divergenz ausgebildet, was erneut auf eine bevorstehende Beendigung des Abwärtstrends hinweist.
Das Währungspaar EUR/USD befindet sich weiterhin in einem Abwärtstrend, der von geopolitischen Faktoren bestimmt wird. Das globale fundamentale Umfeld für den Dollar bleibt ausgesprochen negativ; seit mehr als einem Monat konzentriert sich der Markt jedoch ausschließlich auf die Geopolitik, wodurch alle anderen Faktoren praktisch in den Hintergrund treten. Solange sich der Kurs unter dem gleitenden Durchschnitt befindet, können Short-Positionen mit Kurszielen bei 1,1475 und 1,1353 in Betracht gezogen werden. Oberhalb der gleitenden Durchschnittslinie sind Long-Positionen mit Zielen bei 1,1627 und 1,1719 interessant. Für eine stärkere Aufwärtsbewegung ist eine spürbare Verbesserung des geopolitischen Umfelds erforderlich. In den letzten drei Wochen wurde der Markt in einer Seitwärtsphase zwischen 1,1450 und 1,1620 gehandelt.
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