Am Dienstag schien Gold ins Hintertreffen zu geraten, zumal die Ölpreise ihren Anstieg einstellten und zu den Schlussniveaus des Vortags zurückkehrten. Versuchen wir, die Situation zu verstehen.
Die Bewegung in XAU/USD wirkt widersprüchlich, allerdings nur auf den ersten Blick.
Trotz der Stabilisierung der Ölpreise geriet das gelbe Metall unter Druck. Der Hauptgrund dafür ist die kombinierte Wirkung zweier starker Faktoren, die den Einfluss der Energiepreise überlagert haben.

Während sich die Ölpreise stabilisierten, erreichte die Rendite langfristiger US-Staatsanleihen mehrjährige Höchststände. Das setzt Gold aus folgenden Gründen unter Druck:
Der Goldpreis ist in den vergangenen zwei Wochen deutlich gestiegen. Der Rückgang am Dienstag wirkt aus Sicht von Volkswirten wie eine normale technische Korrektur und Gewinnmitnahmen nach einem solchen Anstieg. Anleger, die ihre Gewinne sichern, schließen ihre Long-Positionen und verstärken damit den Druck auf den Preis.
Auch wenn die Ölpreise am Dienstag nicht weiter gestiegen sind, haben die vorangegangenen Anstiege die Inflationsrisiken im Blick behalten: Anleger befürchten, dass hohe Energiepreise die Federal Reserve zwingen könnten, eine straffere Geldpolitik beizubehalten, um die Inflation zu bekämpfen. Dies wiederum stützt hohe Anleiherenditen und stärkt den Dollar, was auf den Goldpreis drückt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Druck auf Gold nicht von der Öldynamik selbst ausging, sondern von steigenden Anleiherenditen und Gewinnmitnahmen. Diese Faktoren erwiesen sich als stärker als jede potenzielle Unterstützung durch sich stabilisierende Ölpreise.
Gold befindet sich in einer interessanten Phase. Einer Umfrage unter 10 Wall-Street-Analysten zufolge rechnen 9 von ihnen (90 %) in der kommenden Woche mit weiter steigenden Goldpreisen. Unter 150 großen Privatanlegern erwarten Medienberichten zufolge 68 % ebenfalls eine Fortsetzung des Aufwärtstrends.
Das aktuelle technische Bild deutet auf eine kurzfristige Korrektur innerhalb eines anhaltenden Aufwärtstrends hin. Bis zum Ende der US-Handelssitzung am Dienstag testete Gold die Unterstützung im Bereich von 4340,00 (EMA144 im Tageschart und EMA200 im 1-Stunden-Chart) bis 4350,00.

Der Haupttreiber werden die FOMC-Sitzungsprotokolle sein, deren Veröffentlichung am Mittwoch erwartet wird. Sie könnten wichtige Einblicke darin geben, wie stark die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Ausschusses waren. Im Juli wurde der Beschluss mit 9:3 Stimmen gefasst – die ersten drei Gegenstimmen seit 2016. Sollten die Protokolle mehr Abweichler offenbaren als bisher angenommen, könnte dies Gold unterstützen. Andernfalls könnte es Druck ausüben.
| Datum | Ereignis | Erwartete Auswirkung auf XAU/USD |
|---|---|---|
19. August | FOMC-Sitzungsprotokolle | "Dovisher" Ton = Unterstützung; "Hawkisher" Ton = Druck |
27.–29. August | Jackson Hole Symposium | Signale der Fed = zentraler Treiber |
Markteintrittspunkte
Es ist zu beachten, dass derzeit nicht der beste Zeitpunkt für Käufe ist – es ist vorzuziehen, auf eine Korrektur zu warten.
Kaufszenario bei Rücksetzer (Priorität):
Ausbruchsszenario:
Bärisches Szenario:
Am wahrscheinlichsten ist ein Szenario der Konsolidierung in der Spanne von 4290,00–4450,00 mit anschließendem Ausbruch nach oben als Reaktion auf positive Signale der Fed.
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